Tänze beleben die Geschichte

Tanzen gehört zur Musik wie die Wellen zum Meer. Der Tanz ist ein ästhetischer, künstlerischer und kreativer Ausdruck, der sich kulturhistorisch manifestiert. Auf diese Weise steht der Wiener Walzer für die Herrlichkeit des österreichischen Barocks, der Tango für die südamerikanische Lebensfreude und der Surtaki für die Verbindung des modernen Griechenlands zu seinen reichen antiken Wurzeln. Beispiele dafür lassen sich viele finden.

Heutzutage wird der Tanz als wertvoller Sport aufgefasst und mehrere sogenannte Tanzsportgruppen existieren in allen Städten dieser Welt. Der Tanz trägt damit stark zu einer besseren Fitness bei. Doch was ist Fitness überhaupt? Informieren Sie sich unter diesem Link!

Der Tanz als Barometer von Kunst und Kultur

Da der Tanz immer auch ein Seismograf für Haltungen, Einstellungen und Mentalitäten ist, nimmt es nicht wunder, dass der Tanz von den Herrschenden dieser Welt vereinnahmt wurde. Während der bedächtige Paartanz zur Stabilität konservativer Systeme beiträgt, ist die Marschmusik der unverzichtbare Begleiter totalitärer Regime, um die Bewegungen der Massen zu synchronisieren und für ein gemeinsames Ziel zu mobilisieren. Wer da „aus der Reihe tanzt“, wird schnell zum Regimegegner, Volksfeind und Ähnlichem abgestempelt.

Der Tanz als Opposition in repressiven Regimes

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die Swing-Jugend exemplarisch für jugendliche Rebellion im Nationalsozialismus stand. Die Nazis wussten sehr genau, dass hinter dem Swing mehr stand als „nur“ ein Tanz, und tatsächlich hatten die Anhänger des Swings eine oppositionelle Haltung gegenüber dem Regime, das sie zum Gleichschritt zwang, und drückten in dem Swing ihr individuelles Freiheitsgefühl aus.

Im Kalten Krieg verkörperten hingegen die westlichen Musikbewegungen einen neuen Zeitgeist. Bereits der Rock´n Roll wies einen Ausweg aus der historischen Sackgasse, die im Zweiten Weltkrieg und Holocaust ihr entsetzliches Ende gefunden hatte. Zahlreiche Rockbands wie die Beatles und die Rolling Stones bildeten sich in den 60er Jahren und gaben der 68er Bewegung ihren musikalischen und tänzerischen Ausdruck.

Mit dem Realsozialismus waren es erneut repressive Systeme, die genau verstanden, dass westliche Musik in den Ländern ihres Machtbereichs ein Ausbruchsversuch waren. Die Machthaber von Moskau bis Ostberlin verfolgten diese Jugendbewegungen entsprechend und setzten ihre Spitzel auf die musikalischen Zirkel an. Unvergessen bleibt Walter Ulbrichts verständnisloser Ausspruch: „Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, nu kopieren müssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Je-Je-Je, und wie das alles heißt, ja, sollte man doch Schluss machen.“

Die Möglichkeit, jederzeit nach der Musik zu tanzen, die man mag und wie man mag, gilt heute als Selbstverständlichkeit und musste doch schwer erkämpft werden.